Prof. Dr. Stefan Etzel

Flow Performance - Im Sport, im Job und im Leben

Health & FitnessSports

Listen

All Episodes

Growth Mindset: Werden ist wichtiger als sein!

In dieser Folge erklären Prof. Dr. Jonas Keller und Alex Moreno, wie das Growth Mindset den Weg zu nachhaltiger Leistung ebnet. Sie teilen persönliche Erfahrungen und zeigen, wie Lernbereitschaft und konstruktives Feedback Blockaden überwinden und individuelles Wachstum fördern können.

This show was created with Jellypod, the AI Podcast Studio. Create your own podcast with Jellypod today.

Is this your podcast and want to remove this banner? Click here.


Chapter 1

Growth Mindset verstehen – Warum Werden wichtiger als Sein ist

Prof. Dr. Jonas Keller

Willkommen zu Flow Performance, heute mit dem Thema „Growth Mindset – Warum Werden wichtiger als Sein ist“. Das Konzept von Carol Dweck ist inzwischen in vielen Köpfen angekommen, doch die wahre Bedeutung entfaltet sich erst, wenn wir unsere Haltung ganz bewusst vom Statistischen ins Lebendige, vom vermeintlichen „So-bin-ich-halt“ ins aktive „Ich-werde“ verschieben. Entwicklung statt Identität, Lernen als kontinuierlicher, manchmal unbequemer, aber immer mutiger Prozess. Menschen im Growth Mindset begreifen sich nicht als festgelegtes Produkt, sondern als langfristiges Experiment, als Projekt, das nie abgeschlossen ist. Und tatsächlich: Wer Entwicklung wählt, entscheidet sich dafür, beweglich, neugierig und wach zu bleiben. Das Gegenteil, das sogenannte Fixed Mindset, ist ein Standbild – ein Denken, in dem Fähigkeiten eingefroren, Intelligenz festgeschrieben und Talent zum Schicksal erklärt wird. Fehler, Rückschritte? Sind dann sinnlose Niederlagen – keine Einladung, weiterzulernen. Wer so tickt, sucht sich lieber zu bewältigende Aufgaben, um sich klug zu fühlen, statt etwas zu riskieren. Das schützt das Ego, verhindert aber Wachstum.

Tennisprofi Alex Moreno

Ich kenne das von mir selbst. Als ich noch auf der Tour gespielt habe, besonders am Anfang, war ich oft in diesem „So bin ich eben“-Film gefangen. Da kamen Matches, die ich unter Stress einfach nicht mehr drehen konnte. Ich hab versucht, mich festzuhalten an dem, wovon ich glaubte, dass es mich ausmacht: „Das ist halt meine Stärke, das ist mein Limit.“ Aber ehrlich, das hat mich blockiert. Einmal, in Südamerika, hab ich komplett zu gemacht nach ein paar Fehlern, einfach weil ich dachte: Ich kann das nicht besser, also muss ich mich schützen. Ich war wie eingepfercht in meinen eigenen Vorstellungen. Erst viel später habe ich mich darauf eingelassen, meine Sichtweise radikal zu verändern: Ich habe akzeptiert, dass ich tatsächlich nicht fest bin, sondern dass ich lernen kann. Der Satz „Jeden Tag 1% besser“ – der ist später mein Anker geworden. Werden ist immer wichtiger als sein, weil alles sich verändert – der Gegner, das Spiel, die Bedingungen, du selbst. Wer das ignoriert, bleibt zurück.

Prof. Dr. Jonas Keller

Wenn wir den Ansatz von Carol Dweck auf Sport und Alltag übertragen, wird deutlich, dass Menschen mit Growth Mindset Kritik als Chance nutzen. Sie suchen und reflektieren Feedback, wissen, dass Fähigkeiten formbar sind. Das ist wie bei einem Orchester – es kommt auf die Bereitschaft an, immer wieder zu stimmen, zu üben, die eigene Melodie weiterzuentwickeln. Wer dagegen festgelegt bleibt, klammert sich an das, was gestern geholfen hat, und verteidigt es, egal wie oft die Welt sich weiterdreht. Im Sport entlarvt sich ein starr geglaubtes Mindset übrigens besonders schnell: Wer nur auf Talent vertraut, trainiert weniger, zweifelt mehr – und knickt schneller ein. Niederlagen schmerzen dann doppelt, weil sie nicht als Schritt zum Besseren gesehen werden. Diese Haltung sabotiert nachhaltige Entwicklung – im Job, in der Schule, im Leben überhaupt.

Tennisprofi Alex Moreno

Also für mich war der entscheidende Schritt: Nicht mehr darauf zu warten, dass irgendwas von außen kommt, sondern selbst die Entscheidung zu treffen, wachsen zu wollen. Als Coach, ganz ehrlich, frag ich heute meine Schützlinge immer: Bist du bereit, nicht der Beste zu sein – aber besser zu werden? Genau das ist Mut. Nicht aufgeben, sondern rausfinden, wie gut du wirklich werden kannst, wenn du das Alte locker lässt. Das klingt vielleicht hart, aber dieser Sprung ins Unbekannte – der war für mich der Anfang vom echten Fortschritt.

Prof. Dr. Jonas Keller

Mut, Routinen abzulegen und sich selbst infrage zu stellen, ist der entscheidende Unterschied. Growth Mindset bedeutet Offenheit – nicht nur an die eigene Entwicklung zu glauben, sondern das auch auszuhalten, wenn echte Veränderung unbequem wird. Ein Growth Mindset macht resilient, verbindet Neugier mit Demut. Es befähigt, Kritik zu nutzen, statt abzuwehren. Am Ende ist das keine psychologische Theorie – es ist eine Haltung, die dich langfristig trägt. Werden ist wichtiger als sein – und diese Entscheidung trifft jeder für sich.

Chapter 2

Lernbereitschaft und Feedback – Mut zum Spiegel

Prof. Dr. Jonas Keller

Wer wachsen will, braucht den Mut zum Spiegel. Feedback ist kein Angriff, sondern eine Information, ein Resonanzraum darüber, wie man wirkt. Und – das ist entscheidend – Feedback ist wie ein Paar Schuhe: Man probiert an, was zu einem passt, behält nur, was weiterführt, und stellt den Rest wieder zurück ins Regal. Das gilt für alle Bereiche, ob Sport, Job, Lebensführung. Wer wachsen will, fragt proaktiv nach Feedback, nicht nur passiv. Und bekommt im besten Fall ehrliche Rückmeldungen von Menschen, die mehr sehen als man selbst, oder anders denken. Diese Haltung kannst du trainieren, indem du Notizen machst, dich selbst beobachtest, dir bewusst Reflexionen vornimmst. Lernbereitschaft entsteht nämlich erst dann, wenn man den Mut hat, auf sich selbst zu schauen – ohne sich zu verteidigen.

Tennisprofi Alex Moreno

Das war für mich gerade als junger Spieler nicht leicht. Mir ins Gesicht zu schauen, ehrlich zu analysieren, was schieflief – das kostet. Mein größter Aha-Moment kam durch Videoanalysen, ehrlich gesagt. Ich hatte immer gedacht, dass ich genau weiß, wie ich spiele. Dann hat mir Tomás Behrend eine Videoaufnahme gezeigt – und auf einmal hab ich gesehen, wie verkrampft ich war in Drucksituationen. Nicht schön, hat wehgetan. Aber genau das war der Turning Point. Viel wichtiger als „Du bist so und so“, war dann: „Was kannst du anders machen?“ Ich hab begonnen, nach Matches kleine Notizen zu machen, was ich gelernt hab – egal, ob’s ein Fehler war oder ein guter Ballwechsel. Die neue Routine: Nicht nur raus aus dem Match gehen, sondern wirklich was mitnehmen. Feedback tut weh, manchmal richtig – aber es war der einzige Weg, alte Routinen zu verändern.

Prof. Dr. Jonas Keller

Das ist exakt der Punkt. Feedback und kritische Selbstbeobachtung sind die besten Entwicklungstreiber, auch jenseits des Sports. Im Job zum Beispiel: Aktives Nachfragen bei Vorgesetzten, Kollegen – nicht mit der Haltung „Seht ihr, ich hab’s doch gesagt“, sondern mit der klaren Frage: „Gibt es einen Punkt, wo ich besser, klarer, wirksamer werden kann?“ Und dann ehrlich mit den Antworten arbeiten. Es geht nicht darum, alles zu übernehmen – sondern die Lernchancen zu erkennen. Schreiben, reflektieren, auch mit Video arbeiten – all das sind Möglichkeiten, selbst zum eigenen Coach zu werden. Und: Veränderung entsteht selten aus reiner Disziplin, sondern aus Neugier und dem Suchen nach besseren Alternativen. Lernen beginnt, wo man bereit ist, sich und sein Denken neu zu ordnen.

Tennisprofi Alex Moreno

Ich hab das als Trainer dann so gemacht: Nach jedem Training frag ich meine Spieler, was sie selbst anders machen würden, wenn sie ihr eigenes Coach wären. Am Anfang kommt da oft: „Nichts, hat gepasst.“ Aber wenn du dranbleibst, kommen echte Einsichten. Wer den Mut hat, die eigene Komfortzone zu verlassen und sich ehrlich im Spiegel zu betrachten, kann irgendwann auch radikal Neues ausprobieren. Die ersten Schritte sind schwer – das alte Ego bockt, das weiß ich zu gut. Aber irgendwann merkt man: Genau das ist der sweet spot, wo Entwicklung möglich wird.

Prof. Dr. Jonas Keller

Genau. Und die Offenheit für Neues wächst immer da, wo Feedback Sinn macht. Veränderung wird dann leicht, wenn sie zu einer besseren Option wird – aus Interesse, nicht aus Pflicht. Wenn man regelmäßig Rückmeldung einholt, bleibt man beweglich und lebendig, verlernt alte Muster und lernt schneller dazu. Und genau da beginnt nachhaltiges Wachstum – nicht nur durch das Zuhören, sondern durch das, was man daraus macht. Feedback ist der Spiegel, in dem das Entwicklungspotenzial sichtbar wird.

Chapter 3

Wachstum in der Praxis – Beispiele und Fallstricke

Prof. Dr. Jonas Keller

Wenn wir Wachstum praktisch werden lassen wollen, lohnt ein Blick auf Beispiele aus Sport und Wirtschaft. Da sieht man, wie unterschiedlich Menschen mit Entwicklung umgehen. Lee Iacocca etwa – gefeierter Retter von Chrysler – ein brillanter Kopf, aber irgendwann wurde aus Neugier Gewissheit. Kritik war nur noch möglich, wenn sie Applaus bedeutet hat. Innovation: keine mehr, Selbstgefälligkeit überall. Am Ende hat er den Kontakt zur Realität verloren. Dasselbe im Sport: Nick Kyrgios – phänomenal begabt, aber glaubt selbst nicht daran, sich weiterentwickeln zu müssen. Kritik akzeptiert er nur, wenn sie Beifall bringt. Das ist das klassische Fixed Mindset: Wer glaubt, fertig zu sein, hört auf, besser zu werden – und irgendwann beginnt der Rückschritt.

Tennisprofi Alex Moreno

Oh, da fällt mir der eigene Weg ein – ich hab lange geglaubt, Talent sei alles. Sicher sein, was man kann, und daran zu arbeiten, war für mich so ein Sprung ins Ungewisse. Erst als ich verstanden hab, dass jeden Tag 1% besser sein mehr bringt als irgendwas Besonderes zu machen, hat sich mein ganzes Training geändert. Konkrete Schritte, immer kleine Verbesserungen, dafür aber konstant. Fehler? Die hab ich gelernt zu akzeptieren – und sie wirklich wie ein Lehrbuch zu lesen, mit Notizen, mit Nachdenken, nicht mit Ausreden. Der große Shift kam, als ich das erste Mal nach einer Niederlage geschrieben hab, was ich daraus mitgenommen hab, statt mich nur zu ärgern. Im Team bring ich das heute in jede Trainingseinheit rein: lieber kleine Entwicklungsschritte als kurze Feuerwerke. Das zahlt sich viel stärker aus.

Prof. Dr. Jonas Keller

Und diese Ideen, die du beschreibst, sind auch im Business und in der Schule die gleichen Gamechanger. Lehrkräfte, Führungskräfte, Trainer – alle, die nicht nur Ergebnisse loben, sondern den Prozess, schaffen eine Kultur der Veränderung. Wer den Mut hat, für Entwicklung zu stehen, anstatt auf Perfektion zu pochen, fördert nachhaltige Performance. Deshalb ist Growth Mindset nicht einfach eine Methode, sondern eine Kultur, die in die Organisation, ins Klassenzimmer, ins Training gebracht werden muss. Nur so kann Veränderung wirklich Teil des Alltags werden – durch Lob für das Wachstum, für jeden Schritt, für das Lernen aus Fehlern.

Tennisprofi Alex Moreno

Ganz ehrlich – ich glaub heute, dass jeder Trainer, der Entwicklung über schnelle Ergebnisse stellt, viel mehr verändert – beim einzelnen Spieler und in ganzen Teams. Für mich heißt Growth Mindset: Mut, wieder von vorne anzufangen, Scheitern auszuhalten, besser zu werden in kleinen Schritten. Und auch zu akzeptieren, dass Rückschritte dazugehören – solange man weitergeht.

Prof. Dr. Jonas Keller

Am Ende bleibt: Werden ist wichtiger als sein – und Entwicklung ist immer eine Entscheidung. Wer sie trifft, übernimmt die Verantwortung für seinen Weg, für sein Lernen und für nachhaltigen Erfolg. Die Kultur des Growth Mindset ist das stärkste Fundament für Flow Performance – im Sport, Business, im Leben.

Tennisprofi Alex Moreno

Das war’s für heute, oder Jonas? Ich muss sagen, ich bin immer wieder überrascht, wie viel sich im eigenen Kopf bewegen kann, wenn man - ganz ehrlich – einfach zulässt, dass Wachstum unbequem, manchmal langsam und trotzdem jedes Mal wertvoll ist. Danke dir für die Klarheit, für das Einordnen. War spannend!

Prof. Dr. Jonas Keller

Danke dir, Alex. Es ist wie immer – das Spannungsfeld zwischen Erfahrung und Reflexion gibt die besten Impulse. Wachstum bleibt ein Prozess. Bleibt dran, bleibt offen – und denkt daran: Werden schlägt sein, jeden Tag. Und wir hören uns bald wieder. Bis zum nächsten Mal!

Tennisprofi Alex Moreno

Abgemacht. Bleibt im Flow, bis zum nächsten Mal!