Prof. Dr. Stefan Etzel

Flow Performance - Im Sport, im Job und im Leben

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7 x Du – Die Formel echter Stärke

In dieser Folge geht es darum, warum wahre Stärke oft ruhig wirkt und wie innere Ordnung, Selbstwert und faire Selbstführung Leistung tragfähig machen. Außerdem werden die sieben Säulen echter Stärke beleuchtet – von Selbstakzeptanz bis Selbstwirksamkeit – und gezeigt, wie Verhalten das eigene Erleben nachhaltig verändern kann.

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Chapter 1

Was das Ich wirklich trägt

Tennisprofi Alex Moreno

Selbstbewusstsein hat für mich nie laut geklungen. Nicht groß, nicht geschniegelt, nicht diese Ich-bin-der-Beste-Attitude. Auf dem Platz habe ich eher das Gegenteil erlebt. Die wirklich Starken wirken oft ruhig. Die stehen da, atmen, schauen klar, und du merkst: Da wackelt innen nicht alles bei jedem Fehler. Ich hatte Matches, in denen ich äußerlich ganz normal wirkte, aber innerlich war ich unruhig. Dann reicht ein Doppelfehler, und du fällst in dich zusammen. Und ich hatte andere Tage, da war ich nicht perfekt, überhaupt nicht, aber innerlich stabil. Genau dann spielst du frei. Tomás hat das in vielen Gesprächen ähnlich beschrieben: Nicht der Lauteste ist am gefährlichsten, sondern der, der bei sich bleibt.

Prof. Dr. Jonas Keller

Ich finde das hast sehr schön veranschaulicht, Alex. Und genau dort beginnt aus Sicht des Flow-Performance-Konzepts von Stefan Etzel und Tomás Behrend echte Stärke. Nicht als Pose, sondern als innerer Ordnungszustand. Ich finde das Modell von William James dafür sehr hilfreich, diese Unterscheidung zwischen dem 'I' (englisch) und dem 'Me' (englisch). Das I (englisch) handelt, probiert, entscheidet, geht auf den Ball. Das Me (englisch) schaut darauf, kommentiert, bewertet, manchmal unterstützt es, manchmal zerlegt es alles. Und für Selbstbewusstsein ist nicht entscheidend, dass das I (englisch) besonders kraftvoll auftritt. Entscheidend ist, wie das Me (englisch) mit ihm umgeht. Wenn deine innere Bewertung nach jedem Fehler vernichtend wird, dann verliert das ganze System an Stabilität. Wenn das Me (englisch) dagegen sagt: Ja, Fehler. Aber wir bleiben im Spiel. Dann entsteht Selbstwert als tragfähiger Boden.

Tennisprofi Alex Moreno

Oh ja das stimmt. - ich kenne diesen inneren Schlagabtausch sehr gut. Das 'I'(englisch) spielt den Punkt. Das Me (englisch) sagt sofort: Das war schwach. Oder: Typisch, wieder nicht geliefert. Und wenn das ein Muster wird, dann gehst du irgendwann mit angezogener Handbremse auf den Platz. Ich hab das selbst erlebt. Nicht weil ich zu wenig trainiert hatte, sondern weil ich mich innerlich ständig abgewertet habe. Irgendwann hab ich gemerkt: Ich brauche nicht mehr Druck. Ich brauche eine sauberere innere Stimme. Keine weichgespülte. Aber eine faire.

Prof. Dr. Jonas Keller

Das ist ein wichtiger Punkt. Wohlwollen ist hier nicht Nachsicht im Sinne von Beliebigkeit. Es ist Präzision ohne Selbstzerstörung. Stefan Etzel würde sagen: Leistung wird tragfähig, wenn Aufmerksamkeit, Emotion und Handlung in eine stimmige Ordnung kommen. Dazu gehört auch, dass man sich selbst anschauen kann, ohne sich dauernd zu verurteilen. Selbstbewusstsein wächst eben nicht aus Perfektion. Es wächst aus Erfahrung, aus Scheitern, aus Aufstehen, aus überprüfter Wirklichkeit. Wer sich selbst kennt, muss sich nicht aufblasen.

Tennisprofi Alex Moreno

Und er muss auch nicht andere klein machen. Das ist mir wichtig. Die wirklich selbstbewussten Leute, die ich im Sport erlebt habe, hatten es nicht nötig, Theater zu machen. Die konnten Fehler zugeben. Die konnten auch mal über sich lachen. Überheblichkeit ist oft eher ein dünnes Brett über ziemlich viel Unsicherheit.

Prof. Dr. Jonas Keller

Schön gesagt. Und es passt sehr gut zur Grundhaltung von Flow Performance: echte Stärke ist kein Vergleichsgewinn über andere, sondern eine geordnete Beziehung zu sich selbst. Also: Das Ich handelt, das Me versteht und begleitet. Aus dieser inneren Kooperation entsteht Persönlichkeit, und aus dieser Persönlichkeit kann dann Leistung entstehen, die nicht beim ersten Gegenwind kollabiert.

Chapter 2

Die sieben Säulen echter Stärke

Prof. Dr. Jonas Keller

Wenn wir das nun etwas strukturieren, dann lässt sich Selbstbewusstsein in sieben Aspekte gliedern. Erstens Selbstakzeptanz: ein wohlwollender Blick auf sich selbst, ohne alles schönzureden. Zweitens Selbstannahme, also die Fähigkeit, sich grundsätzlich als wertvoll zu erleben. Drittens Selbstwirksamkeit, der Glaube, mit dem eigenen Handeln etwas bewirken zu können. Viertens Selbstsicherheit, also Standfestigkeit, Auftreten, Grenzen. Fünftens Selbstvertrauen, das Vertrauen in die eigenen Fähigkeiten. Sechstens Selbstachtung, der Ton, in dem wir mit uns selbst sprechen. Und siebtens der Selbstwert als übergreifender Rahmen. Im Denken von Stefan Etzel und Tomás Behrend sind das keine isolierten Schubladen, eher sieben tragende Pfeiler eines inneren Systems.

Tennisprofi Alex Moreno

Ich übersetze das mal auf den Platz. Selbstakzeptanz heißt für mich: Ich muss nicht jeden Schlag lieben. Aber ich darf deswegen nicht mich selbst ablehnen. Selbstannahme ist härter, ehrlich gesagt. Viele Leistungsmenschen kennen nur: Ich bin okay, wenn ich liefere. Das ist ein mieser Deal. Selbstwirksamkeit spürst du, wenn du merkst: Mein Handeln verändert hier wirklich etwas. Ein guter Return, ein klarer Plan, ein Schritt nach vorne. Selbstsicherheit ist dann dieses Auftreten zwischen den Punkten. Kopf oben. Grenze setzen. Nicht rumeiern. Selbstvertrauen ist der Moment, in dem du bei Breakball sagst: Den Schlag kann ich spielen. Selbstachtung ist die Frage, wie du nach dem Fehler mit dir redest. Und Selbstwert ... ja, das ist am Ende das Dach über allem.

Prof. Dr. Jonas Keller

Genau deshalb ist der verhaltenstherapeutische Gedanke hier so kraftvoll: Nicht erst fühlen und dann handeln, sondern handeln und dadurch neues Erleben ermöglichen. Wer auf die perfekte innere Sicherheit wartet, wartet oft sehr lange. Wer beginnt, selbstbewusst zu handeln, gibt dem System neue Daten. Verhalten formt Einstellung. Das ist sehr bodenständig und im Flow-Performance-Ansatz zentral, weil Leistung aus konkreter Selbstführung entsteht, nicht aus Wunschdenken.

Tennisprofi Alex Moreno

Das ist auch der Grund, warum ich mit großen Sprüchen vorsichtig bin. Wenn ich mir vor dem Spiegel sage: Ich bin unbesiegbar, und innerlich lacht alles in mir, dann bringt mir das gar nichts. Eher im Gegenteil. Aber wenn ich sage: Was wäre, wenn ich diesen Moment heute gut spielen könnte? Dann geht eine Tür auf. Klein, aber echt. Und dann folgt Verhalten. Ein Aufschlag. Ein Schritt. Eine klare Entscheidung.

Prof. Dr. Jonas Keller

Ja, diese Iffirmationen öffnen Möglichkeitsräume, ohne in Widerspruch zur erlebten Realität zu geraten. Und dann kommen die kleinen, glaubwürdigen Schritte ins Spiel. Ein Realitätscheck für kritische Gedanken. Ein bewussteres Selbstgespräch. Sichtbare Zwischenziele. Ein sicherer innerer Ort. Das alles stärkt nicht spektakulär, aber nachhaltig. Wie ein Raum, der langsam geordnet wird.

Tennisprofi Alex Moreno

Und das ist für mich die wichtigste Botschaft: Selbstbewusstsein wächst nicht aus Magie. Es wächst aus Wiederholung. Aus ehrlichen Schritten. Aus Verhalten, das man sich selbst irgendwann glaubt. Nicht perfekt. Aber stabiler. Und genau dann wird Stärke echt.

Prof. Dr. Jonas Keller

Ein schönes Schlusswort für heute. Echte Stärke ist kein Lärm, sondern Ordnung mit Rückgrat.

Tennisprofi Alex Moreno

Danke dir, Jonas. War stark. Bis zum nächsten Mal.

Prof. Dr. Jonas Keller

Danke dir, Alex. Bis bald.