Zu viele Bälle in der Luft?
In dieser Folge teilen Alex und Jonas ihre Erfahrungen und Erkenntnisse über die Bedeutung von Fokus, Selbstreflexion und innere Stabilität für nachhaltigen Erfolg. Sie zeigen, wie das bewusste Setzen von Prioritäten und die Rolle des inneren Beobachters helfen, Leistungsdruck zu meistern und Zufriedenheit zu finden. Hör rein, um zu lernen, wie du langfristig deine Ziele mit Klarheit und Gelassenheit verfolgen kannst.
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Chapter 1
Zu viele Bälle in der Luft – Die Kunst des Fokussierens
Tennisprofi Alex Moreno
Fokus. Das klingt so einfach, Jonas – aber ich erinnere mich gut an meine Zeiten auf der Tour, da war alles andere im Kopf, nur kein Fokus. Da hast du ein neues Trainingskonzept gesehen, willst sofort alles ausprobieren, bist heiß auf neue Projekte, denkst: Das könnte noch besser werden, und das erst recht... Aber am Ende hast du nichts richtig gemacht. Selten so gefrustet geendet wie in solchen Phasen. Ich hab zigmal gehört: Alex, du bist überall, aber nie ganz da. Für den Moment dachte ich, das gehört halt dazu – so wächst man doch, oder?
Prof. Dr. Jonas Keller
Das ist ein Bild, das viele Menschen aus ihrer Wirklichkeit kennen – und das nicht nur im Sport. Der Eindruck, ständig neues zu brauchen, mehr leisten zu sollen, verfolgt viele – im Job genauso wie in der Familie. Wenn du überall ein bisschen mitspielst, ohne klare Prioritäten zu setzen, erzeugst du – man muss schon fast sagen: zwangsläufig – Unzufriedenheit. Es ist, als hättest du zu viele Fenster im Kopf offen, die Aufmerksamkeit läuft aus wie durch undichte Stellen im Haus. Und – das macht die Psychologie klar – Zufriedenheit ist kein Zufallsprodukt, sie ist eine Kompetenz. Die Fähigkeit, zu zentrieren statt sich zu verzetteln.
Tennisprofi Alex Moreno
Ich hab viel darüber nachgedacht, was mich getrieben hat. Im Nachhinein war es selten Neugier – sondern dieser unterschwellige Druck: Du musst mehr aus dir rausholen. Familie, Umfeld, alle wollen dass du weit kommst. Der Applaus von außen. Irgendwann rennst du Zielen hinterher, die gar nicht zu dir gehören. Habe ich erst gemerkt, als wirklich gar nichts mehr ging. Weißt du, ich kenne Typen im Tennis, die haben wahnsinns Talent, aber immer wieder etwas angefangen – und nichts durchgezogen. Das Resultat? Mittelmaß auf allen Ebenen. Ein Hamsterrad, das man sich selber baut.
Prof. Dr. Jonas Keller
Es ist interessant, wie dominant dieser Fremddrehbuch-Effekt ist. So nenne ich das: Menschen übernehmen das Skript der Eltern, der Branche, der Kultur – und wundern sich warum sie unruhig sind. Im Coaching begegne ich dem ständig. Ich hatte zum Beispiel einen Klienten, der voller Energie war, ständig neue Dinge startete – und doch war er weder im Job noch in der Familie zufrieden, weil Fokus fehlte. Mit Reflexion und bewusstem Setzen von Prioritäten konnte er umsteuern. Es braucht Klarheit und manchmal leider auch Disziplin; denn erst, wenn wir den Lärm der vielen Baustellen stoppen, entsteht Raum für Flow. Wer meint, man könne alles gleichzeitig machen, segelt oft ins Mittelmaß. Fokus ist wie Ordnung schaffen. Da, wo das Eigene wieder sichtbar wird, wächst auch wieder echte Zufriedenheit.
Tennisprofi Alex Moreno
Und weißt du, was ich hart lernen musste? Nicht alles, was mich angetrieben hat, war echter Ehrgeiz. Manchmal war’s schlicht der Wunsch nach Anerkennung. Viele wechseln andauernd die Richtung, nur weil sie wieder einen Beifall haben wollen – aber wirklich ankommen tut keiner, wenn er alle fünf Minuten den Kurs ändert.
Prof. Dr. Jonas Keller
Das stimmt – Erfolg hat viel mit Beständigkeit und Zielklarheit zu tun. Wer immer nur hinter dem Applaus herläuft, verliert irgendwann die Verbindung zum eigenen Ziel. Und in der Folge bleibt nicht nur der Erfolg aus, sondern auch die Zufriedenheit. Wer sich stattdessen auf das Wenige konzentriert, das wirklich zählt, findet oft mehr Erfüllung, als durch ständiges Anfangen.
Tennisprofi Alex Moreno
Das war das Entscheidende: Erst als ich verstanden habe, wofür ich eigentlich trainiere, und wem ich was beweisen will, kam der Fokus wieder zurück. Schwer, aber notwendig.
Chapter 2
Selbstreflexion statt Grübeln – Die Rolle des inneren Beobachters
Prof. Dr. Jonas Keller
Alex, du hast vorhin von Frust erzählt, vom Hamsterrad. Viele stecken nach außen im hektischen Machen, während innen diese laute Stimme läuft: Hätt’ ich doch das, hätt’ ich damals jenes... Es ist ein Klassiker – statt in die Zukunft oder ins Machen zu kommen, hängen wir uns ans endlose Grübeln. Wir schauen gedanklich dauernd in den Rückspiegel, statt nach vorne. Die Frage müsste sein: Was kann ich daraus lernen? Nicht: Warum bloß war ich so blöd? Der Unterschied klingt klein, ist aber enorm.
Tennisprofi Alex Moreno
Genau das, Jonas. In den entscheidenden Matches hab ich oft nicht gegen den Gegner verloren, sondern gegen mich im Kopf. Kopfkino deluxe. Wenn der Druck groß war, kam das Grübeln – “warum hast du den Ball nicht anders gespielt...”, “was denken die anderen, wenn du’s jetzt vergeigst?” Ich hab von Tomás Behrend mal gelernt: Nimm innerlich Abstand, schau auf dich wie so ein Baustellenbeobachter. Klingt vielleicht seltsam, aber hilft. Ich hab es im Training angewendet und gemerkt, dass ich in heiklen Situationen ruhiger bleibe, weil ich mich nicht gleich mit jedem kritischen Gedanken identifiziere.
Prof. Dr. Jonas Keller
Genau das ist aus Sicht der Flow Performance der Schlüssel: Du entwickelst eine innere Beobachtungsinstanz – wie ein Dirigent, der entscheidet, welche Gedankenspur gerade dominant sein soll. Nicht jeder alte Satz (“Du bist nicht gut genug!”) bekommt das Solo, nicht jedes Gefühl steuert dich direkt. Methoden, die Reflexion wirklich stärken, sind oft überraschend simpel: Kleine Abendinventuren etwa, einmal am Tag aufschreiben, was gelungen ist, was gelernt wurde. Schon Seneca hat das empfohlen, und die Wissenschaft bestätigt heute: Wer seine Erfolge und Fehler ehrlich notiert, gewinnt Distanz zu sich, erkennt Muster, anstatt immer wieder im selben Tunnel zu landen.
Tennisprofi Alex Moreno
Ich hab das übernommen – sowohl im Sport als auch im Business. Notizen nach dem Training, kleine Rituale vor dem Wettkampf, manchmal einfach: Stopp, einmal durchatmen, und mich fragen, was ich gerade wirklich brauche, statt sofort auf jeden Impuls zu reagieren. Diese Art von Praxis macht den Unterschied, egal auf welchem Level man spielt oder arbeitet.
Prof. Dr. Jonas Keller
Das Entscheidende ist: Reflexion bedeutet nicht, Grübeln endlos zu wiederholen, sondern Erkenntnisse zu gewinnen, die Handlung ermöglichen. Wir brauchen keine nagende Vergangenheit, sondern einen inneren Bauleiter, der klar macht, wann Zeit für Korrektur ist und wann man auch einfach weitermachen sollte. Das funktioniert beim Training, im Projekt – und, ja, auch am eigenen Esstisch.
Tennisprofi Alex Moreno
Es hilft schon, ehrlich auf die eigene Baustelle zu schauen, ehrlich über Schwächen und Erfolge zu sprechen. Vielleicht erst recht im Sport, wo Fehler sofort sichtbar sind. Aber ich sag: Wer sich nicht traut, hinzuschauen, der vergibt die Chance, Dinge überhaupt zu ändern.
Prof. Dr. Jonas Keller
Genau so. Und jeder kleine Schritt dabei – schriftlich oder im Gespräch mit sich oder jemandem, dem man vertraut – stärkt die Fähigkeit zur Selbstführung. Das ist mentale Stärke abseits von Parolen.
Chapter 3
Fokus, Beständigkeit und die Suche nach Anerkennung – Erfolg und Zufriedenheit als innere Kompetenz
Tennisprofi Alex Moreno
Lass mich das mal andersrum sagen: Viele Karrieren, die ich gesehen habe, starten stark – Talent, Erfolg, alles läuft. Aber dann fängt das große Zielen-Switchen an. Jeden Monat ein neues Ziel, ständig auf der Suche nach dem größeren Ding, das noch mehr Anerkennung bringt. Das ist brandgefährlich. Die Frage ist wirklich: Arbeite ich für mein eigenes Wachstum oder eigentlich nur für den nächsten Applaus?
Prof. Dr. Jonas Keller
Das ist ein psychologisch spannender Punkt. Der tiefe Wunsch nach Anerkennung ist in uns allen angelegt. Aber wenn Anerkennung der Motor bleibt, dreht sich das System leer – jede Bestätigung, die ausbleibt, macht nervös. Aus Sicht des Flow Performance Konzepts ist nachhaltiger Erfolg aber immer eine Frage von Selbsttreue. Das heißt: Zielklarheit schaffen, eigene Grenzen kennen, Prioritäten setzen – und nicht jede fremde Erwartung zum Maßstab machen. Der innere Getriebene lernt erst dann Ruhe, wenn das eigene Maß gilt. Und die Forschung sagt klar: Wer dranbleibt, wer seine Richtung bewahrt, erlebt automatisch auch mehr Zufriedenheit auf Dauer. Also der Applaus ist nicht das Ziel – er ist ein Nebenprodukt von Beständigkeit.
Tennisprofi Alex Moreno
Ich kenn das von mir selber – sobald es im Außen still wird, wollen viele sofort das nächste Ding starten. Aber echte Zufriedenheit spüre ich erst, wenn ich merke: Ich bin auf Kurs, egal wie viel Applaus gerade kommt. Und ehrlich: Anerkennung folgt immer denen, die bei sich bleiben. Wer ständig nach außen schielt, versäumt das Eigentliche. Das ist nicht immer Lautstärke und nicht immer Glanz, sondern oft das Stille und das Bleiben.
Prof. Dr. Jonas Keller
Und genau das ist die Kompetenz, Jonas würde jetzt sagen: die Fähigkeit, den inneren Dirigenten nach vorne zu stellen. Die Zufriedenheit wächst von innen, nie aus dem ständigen Drang nach außen. Es sind Haltungen, nicht nur Fähigkeiten. Und manchmal ist das größte Zeichen von Stärke, einfach mal nichts Neues zu suchen, sondern das Richtige klar und ausdauernd weiterzuverfolgen.
Tennisprofi Alex Moreno
Ich kann ehrlich sagen, Jonas, das war bei Tomás und Stefan im Training immer das, was mir am meisten geholfen hat: Klarheit, nicht Geschwindigkeit. Bestand, nicht Erfolg von heute auf morgen. Ich kann nur allen raten, das zu trainieren – auch wenn’s manchmal nicht glamourös wirkt.
Prof. Dr. Jonas Keller
Vielleicht ist das ja ein schöner Gedanke zum Abschluss dieser Folge: Besteh’ den Applaus. Mach ihn nicht zum Sinn deiner Suche. Dranbleiben lohnt – und am Ende ist es die innere Kompetenz, die wirklich trägt. Alex, ich danke dir für deine Offenheit und den Austausch heute.
Tennisprofi Alex Moreno
Danke Jonas – war wie immer ehrlich und hilfreich. Bis zum nächsten Mal. Mach's gut!
Prof. Dr. Jonas Keller
Bis dahin, Alex. Und bleibt euch selbst treu – wir hören uns bald wieder.
